Rezensionen

Rodney Brooks: Menschmaschinen. Wie uns die Zukunftstechnologien neu erschaffen. Campus-Verlag, Frankfurt/Main 2002, ca. 280 S.

Rezension von Andreas Bummel, in: Tattva Viveka Nr. 18, 2002

Biotechnologie und Robotik werden das Wesen des Menschen und der Maschine fundamental verändern. Davon jedenfalls ist Buchautor Rodney Brooks überzeugt. Der Direktor des Labors für Künstliche Intelligenz am Massachusetts Institute of Technology (MIT) sieht die Verschmelzung von Mensch und Maschine sowie die Entwicklung "intelligenter Roboter" in Siebenmeilenstiefeln heraneilen.

Zunächst verfolgt Brooks in seinem Buch die noch junge Geschichte der Roboterforschung, angefangen bei den sogenannten Schildkröten-Robotern von Grey Walter 1948, über Mond- und Marsroboter der NASA bis hin zu Babypuppen (BabyIT, MyRealBaby), Staubsaugerrobotern (Sozzie), Sonys Roboterhund AIBO und anderen Spielzeugrobotern. An vielen der geschilderten Versuchsprojekte hat Brooks mitgewirkt. Im Grunde handelt es sich selbst bei den ambitionierteren Projekten - den sogenannten "situierten Robotern" - um mehr oder weniger Komplexe elektromechanische Geräte, die mit Sensoren Außenreize aufnehmen und durch computergestützte Informationsverarbeitung auf diese reagieren sollen. Schon auf dieser Ebene sind die Forschungsprobleme immer noch gewaltig. Seit drei Jahrzehnten gibt es keine wesentlichen Fortschritte bei der Bilderkennung und bei akustischen Sensoren, etwa bei visuellen Aufgaben wie dem Erkennen einer Tasse als Tasse oder akustischen Problemen wie den Klang eines singenden Vogels oder einer zuschlagenden Tür zu identifizieren. Daran haben auch die Durchbrüche in der Rechnerkapazität und -geschwindigkeit nicht viel geändert. Allein bei der Motorik scheint es gewisse Erfolge zu geben. Nach über hundert Mannjahren Ingenieursarbeit ist es beispielsweise Honda 1998 gelungen, einen Roboter mit autonom betriebenen zweibeinigen Gehmechanismus auszustatten, der an sich auch gut funktioniert. Allerdings kann der ferngesteuerte P3 nicht selbst navigieren oder Hindernissen aus dem Weg gehen.

Auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI) sind die Schwierigkeiten offenbar noch gravierender. Brooks schreibt, daß Computer "nicht nur besser rechnen können als Menschen, sondern auch viele andere Aufgaben besser lösen als sie". Immer wieder werde behauptet, daß Computer "nicht in der Lage sein werden, hier oder dort mit den Menschen gleichzuziehen." Und immer wieder müßten die Grenzen neu gezogen werden. Habe das Schachprogramm Deep-Blue von IBM nicht 1997 den Weltmeister Gary Kasparow besiegt? Der Leser fragt sich erstaunt, wie Brooks nach dieser grotesken Argumentation zu seiner Grundthese kommt, daß es "zu Beginn des 21. Jahrhunderts" intelligente Roboter geben werde. Die von ihm geschilderten Roboter- und Simulationsversuche haben nicht annähernd mit Intelligenz zu tun. Statt eine Antwort auf diese Frage zu geben, gibt Brooks Einblick in seine Grundüberlegungen. Da die Menschen selbst "bloße Automaten" seien, "große Hautsäcke voller Biomoleküle, die nach beschreibbaren und erkennbaren Regeln interagieren", sei es "im Prinzip allen Maschinen möglich", Intelligenz, Emotionen und Bewußtsein zu haben. Menschen seien zwar komplexer als die heutigen Roboter, aber eben nur in quantitativer Hinsicht, nicht qualitativ. Warum die KI-Modelle dann nicht besser funktionieren könne daran liegen, daß "in all unseren Systemen ein paar Parameter falsch sein könnten". Oder vielleicht müsse "eine bestimmte Komplexitätsschwelle" überschritten werden. Vielleicht fehle doch noch genügend Rechnerkapazität. Immerhin räumt Brooks ein, daß es möglicherweise etwas gebe, daß uns "in unseren Biologiemodellen" noch entgehe und "auf anderen physikalischen Erklärungen beruht, als jene, die uns gegenwärtig zur Verfügung stehen." Leider sieht Brooks darin nur das Fehlen einer zureichenden mathematischen Beschreibung lebender Systeme. Der Gedanke, daß sich die Grundimpulse des Lebens und des Bewußtseins auf einer anderen qualitativen Ebene abspielen könnten, liegt Brooks völlig fern.

"Letztlich liegt es (...) in unserem Wesen, technologische Manipulation am menschlichen Körper allgemein zu akzeptieren", schreibt Brooks gewohnt lapidar im Vorwort. Auf ihn selbst zumindest trifft diese Haltung zweifellos zu. Und nur als Einblick in dieses Denken und in die von Brooks geschilderte Roboterforschung ist das Buch, wenn überhaupt, lesenswert. Auf das Problem Verschmelzung Mensch-Maschine geht er dem Buchtitel zum Trotz kaum ein. Wer sich für das Thema aus dieser Sichtweise interessiert, sollte besser das 1999 bei Kiepenheuer & Witsch erschienene Buch "Homo Sapiens" von Ray Kurzweil lesen. Auf Brooks' Buch kann man gut verzichten