Francis Fukuyama:
Das Ende des Menschen, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/München
2002, ca. 348 S.
Rezension
von Andreas Bummel, in: Tattva Viveka Nr. 18, 2002
Mit
einem Artikel in der US-Zeitschrift The National Interest
vom Sommer 1989 und einem nachfolgenden Buch wurde Francis Fukuyama
- berechtigterweise oder nicht - international
bekannt. Seine These: die liberale Demokratie stelle den
Endpunkt der ideologischen Evolution der Menschheit dar,
jetzt sei das Ende der Geschichte gekommen. Von den vielen
kritischen Einwänden,
so schreibt Fukuyama im Vorwort des nun vorliegenden Bandes,
habe ihn nur ein einziger überzeugt: Solange sich die
Wissenschaften weiterentwickelten, setze sich auch die Geschichte
fort. Und tatsächlich "stecken wir wohl inmitten einer
Phase gewaltiger Fortschritte der Biowissenschaften". Die
biotechnisch durchgestylte "Schöne
neue Welt" von Aldous Huxley vor Augen, möchte Fukuyama
mit seinem essayartigen Buch auf die Gefahren der Biotechnologie
hinweisen. Nach seiner Ansicht besteht die reale Bedrohung,
daß die
Natur des Menschen umgestaltet werde und uns die Biowissenschaften
damit "in ein posthumanes Stadium der Geschichte" führten.
Mit den kaum abschätzbaren Risiken und Mißbrauchspotentialen
biotechnologischer Verfahren in Gegenwart und Zukunft und
den damit einhergehenden ethischen Fragestellungen hat sich
bereits eine ganze Phalanx von Autoren befaßt, herauszuheben
sei hier nur Jeremy
Rifkin (Das biotechnische Zeitalter, Bertelsmann).
Fukuyamas Grundthese und sein Plädoyer für eine
differenzierte Kontrolle der Biotechniken durch nationale
Gesetzgeber und ein darauf aufbauendes internationales Regime
sind also keineswegs neue Überlegungen.
Es ist
gerade das Charakteristische der Biowissenschaften, dass hier
Wohl und Wehe nicht in den Verfahren selbst liegt, sondern in
ihrer konkreten Anwendung. Fukuyama geht es in seinen Betrachtungen
zwar nicht nur um direkte Eingriffe wie Keimbahnmanipulation
oder das Klonen von Menschen, sondern auch um "indirekte" Wirkungen
wie genetische Diskriminierung, Verhaltensgenetik und -kontrolle,
Optimierung von Psychopharmaka sowie die Veränderung demographischer
Trends und sozialer Hierarchien durch eine höhere Lebenserwartung.
Die von ihm entworfenen "Szenarien" bleiben aber genauso unscharf,
wie die in Aussicht gestellte Analyse, auf welche Weise die Biotechnologie
internationale Politik in Zukunft denn tatsächlich beeinflussen
könnte.
In einem
Großteil des Buches führt Fukuyama eine Grundsatzdebatte
darüber, was Menschenrechte, menschliche Natur und Menschenwürde überhaupt
seien und wie man sie herleiten könne. Letztlich greift
der Geschichtsphilosoph auf das in jedem Menschen angelegte komplexe
Zusammenspiel von freier sittlicher Entscheidungsfähigkeit,
Vernunft, Sprache, Soziabilität, Empfindungsvermögen,
Gefühle und Bewußtsein zurück, um die besondere
Natur des Menschen und Menschenwürde zu begründen.
Dies ist für Fukuyama die Grundlage für naturrechtlich
abgeleitete Menschenrechte. Zur Ablehnung bestimmter biotechnischer
Verfahren ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.
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